Die Adventszeit gehört im Einzelhandel zu dem umsatzstärksten Wochen, insbesondere natürlich wegen des Zusammenhangs mit dem christlichen Weihnachtsfest. Der aus dem lateinischen stammende Begriff Adventus heißt übersetzt Ankunft und verweist damit auf die Geburt „Gottes Sohnes“ Jesus von Nazareth.
Ursprung der Adventszeit
Zu Anfangszeiten der Einführung der Adventstage im 5 Jahrhundert nach Christ wurden in Italien bis zu sechs Sonntage für die Besinnung, das Fasten oder Bußen genutzt. Erst Papst Gregor der Große legte im 6. Jahrhundert fest, dass zukünftig vier Adventsonntage die Ankunft Gottes auf Erden ankündigen und legte auch die Liturgie dazu fest.
Die christliche Kirchenrechnung geht davon aus, dass die Menschheit zur damaligen Zeit ca. 4.000 Jahre auf den Erlöser wartete, weswegen symbolisch vier Sonntage angesetzt wurden. Papst Pius V. (17. Januar 1504 – 1. Mai 1572) legte zu seiner Amtzeit die römische Adventsliturgie fest, damals als Fastenzeit. Bei den Muslimen wäre das gleich lautend mit dem Monat Ramadan und zeigt auch in diesem Fall auf, dass als Basis des Islam die jüdische und christliche Lehre verwoben mit Traditionen des mittleren Ostens dienten. Papst Pius V. gilt als Reformer, wenngleich er Ehebruch, Gotteslästerung oder gar die Entweihung der Sonntage drakonisch bestrafen ließ und z.B. die Juden aus „seinem Reich“, also seinem Einflussgebiet bei Androhung der Todesstrafe vertreiben ließ.
Sinn und Zeitraum des Advents
Inhaltlicher Sinn der Adventszeit ist und war es, sich während der Gebete zu besinnen, Bilanz zu ziehen, einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Leben und die durch Jesus dargestellte Hoffnung herzustellen, Buße zu tun, sich vorzubereiten auf Weihnachten.
Mit der Adventszeit beginnen die katholischen und evangelischen Kirchen das neue Kirchenjahr. Die orthodoxen Kirchen haben dagegen bis heute eine sechswöchige Adventszeit ab dem 15. November. Das Kirchenjahr beginnt am 1. September und ist damit unabhängig von der Adventszeit. Die Adventszeit ist im eigentlichen Sinne keine Weihnachtszeit, diese sind tatsächlich die am 25. Dezember beginnenden 12 Tage. Sie enden mit dem 6. Januar (Heilige drei Könige).
Der Adventskranz und andere Gebräuche
Viel älter als der überall als Dekoration verwendete Adventskranz ist die Tradition des Christ-Stollens, der bereits seit Mitte des 14. Jahrhunderts Erwähnung findet. Das „Rauhe Haus“, das 1832 als Waisenhaus im heutigem Hamburg-Horn und damals vor den Toren Hamburgs gegründet wurde, soll initiiert durch seinen Gründer, den Theologen und Pädagogen Johann Hinrich Wichern (21. April 1808 – 7. April 1861), 1839 den ersten Adventskranz aufgestellt haben, um den dortigen Waisenkindern die Zeit bis zum Heilig Abend aufzuzeigen. Vier weiße Kerzen standen für die Sonntage, für die Werktage kleine rote. Die ersten Kränze waren nicht aus Tannenzweigen.
Tannenzweige entspringen nicht der christlichen Kultur, sondern hatten als ganzjähriges Grün schon immer die Bedeutung von Lebenskraft und Gesundheit. Die Römer nutzten zum Jahreswechsel Lorbeerzweige, im Norden Europas vertrieb man mit den gehängten Tannenzweigen die bösen Geister, im Mithras-Kult ehrte man zur Sonnenwende den Sonnengott. Im laufe der Christianisierung unterschiedlicher Völker wurden oftmals vorhandene Bräuche okkupiert , um damit „schleichend“ einen Wechsel des religiösen Glaubens zu „erleichtern“. Beispiele hierfür ist das Osterfest als Gedenken an die Auferstehung Jesu Christi, ein germanischer Brauch zu Ehren der germanischen Licht- und Frühlingsgöttin Ostera, die Ostereier als Zeichen der Fruchtbarkeit, ähnlich wie die vermehrungsstarken Hasen.
Weihnachten und Heilig Abend
Auch Weihnachten, heute die Zeit der Geburt Christi, soll ursprünglich ein Fest zur Sommersonnenwende gewesen sein, Kekse und Gebäck germanische Bräuche. Die Zeugen Jehovas z.B. legen den Tag Christi Geburt auf einen späteren Zeitpunkt, der 24. Dezember wurde gewählt, weil es der kürzeste Tag im Jahr ist, der Tannenbaum ist der Geschichte der Tannen angelehnt und wurde wohl erst nach dem Adventskranz Tradition. Es sollen diese „heidnischen“ Bräuche sogar im Mittelalter verboten gewesen sein.
Der Adventskalender
Der gerade bei Kindern sehr beliebten Adventskalender liegen gedruckt seit 1908 vor. Die meisten haben 24 Türen, früher einmal ohne zu öffnenden Türen, seit 1920 auch mit. Dagegen gibt es auch Kalender, die am 1. Advent beginnen, also umfangreicher sind, aber nicht die Verbreitung gefunden haben.
Advent heute und das Vergessen der Tradition
Die Adventszeit heute wird zwar immer noch als eine Zeit der Besinnlichkeit begangen, die Kirchen bieten entsprechende Veranstaltungen, doch Mitte des letzten Jahrhunderts fand eine starke Kommerzialisierung (Ladenöffnungszeiten und die Öffnung des Einzelhandelsläden an Adventssonntagen) statt, und die Vorweihnachtszeit beginnt im wirtschaftlichen Sinne schon im Oktober. Gegen eben diese Kommerzialisierung versuchten die Kirchen u.a. mit einer Verfassungsbeschwerde einzuwirken. Wie wir heute wissen erfolglos. So finden Advents-, Weihnachts- und Kunsthandwerker-Märkte in großer Zahl statt, die Innenstädte sind mit alten und neuen traditionellen Dekorationsobjekten ausgeschmückt und die Vorbereitung auf die Weihnachtszeit tritt mehr und mehr in den Hintergrund, was nicht zuletzt auch an der Entfernung der Bevölkerung von den Kirchen und die Entfremdung der jungen Menschen von Traditionen, eben auch den christlichen zusammenhängt. Dagegen wird in den meisten Ost-Europäischen Ländern, von denen die im Süd-Osten liegenden zumeist orthodox geprägt sind, die Advents- und sich anschließende Weihnachtszeit noch ausgiebig und zumeist auf traditionellem Wege begangen.
